Pressespiegel

2015 - 2016

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Das Magazin

August 2016

„Insel der Freigeister“

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Auf Reisen

August 2016

„Insel der Freigeister“

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Kulturforum

März 2016

„Überleben auf Hiddensee“

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FAZ

August 2015

„Wie ’ne Kuh vom Mond gefallen“

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Ulrike Draesner

April 2015

Mein Hiddensee

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Deutschland Radio Kultur

März 2015

Reisezeit Hiddensee

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2013 - 2014

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Hiddensee-Magazin

Sommer 2014

Sehr geehrte Damen und Herren

Gerald Fauth
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ich bin seit fast 28 Jahren ein treuer Besucher der Insel Hiddensee, die für mich schon fast so etwas wie eine zweite Heimat geworden ist. Im Laufe meiner Aufenthalte, die meist auch berufliche Ursachen hatten, ist mir sowohl in den Buchläden als auch in den Veranstaltungskatalogen der Name von Frau Marion Magas als sehr aktiver Gestalterin eigener Vortragsreihen in Verbindung mit der Geschichte Hiddensees aufgefallen. Obwohl ich mir nach und nach alle Bücher von Frau Magas zugelegt habe, in denen ich immer wieder und mit Vergnügen lese, ist es mir erst in diesem Jahr gelungen, ihre Führungen über die Insel und durch das Asta-Nielsen-Haus zu besuchen. Abgesehen davon, dass ich es spannend fand, eine so bildhaft schreibende Autorin wie Frau Magas einmal live zu erleben, muss ich sagen, dass mich ihre absolut seriöse und fundierte Art überzeugt hat, mit der sie sich ihrem Anliegen widmet, Hiddensee in den Augen der Urlauber als das erscheinen zu lassen, was es wirklich ist: Eine Insel, die zurecht Kultstatus genießt, und zwar nicht nur wegen ihrer spektakulären Steilküste bzw. des autofreien Verkehrs, sondern eben auch wegen ihrer Geschichte, die an berühmten Gästen reich war und somit immer noch über zahlreiche Zeugnisse einer Vergangenheit verfügt, die man als Spaziergänger so niemals vermutet hätte.

Frau Magas erscheint mir als eine ideale Anwärterin auf den Posten des „Inselschreibers“, der nach meinem Kenntnisstand momentan nicht zu vergeben ist, über dessen Einführung man aber vielleicht tatsächlich einmal nachdenken sollte.

Eine profundere Kennerin der Insel wird man schwerlich finden. Wer seit Jahrzehnten sein Leben da verbringt, die Schulbildung hier genossen und allerlei Arbeitsverhältnisse ausprobiert hat, kann von sich mit Fug und Recht behaupten, Teil dieser Insel und somit prädestiniert dafür zu sein, Inselgeschichte nicht nur zu ergründen, sondern auch sachkundig weiterzugeben. Dass Frau Magas keine Mühe scheut und, wie ich erfahren habe, auch unter höchstem persönlichen Einsatz ihre Bücher über Hiddensee vertreibt, kann unter diesen Umständen nicht hoch genug gewürdigt werden.

Wir alle kennen ja ein Problem unserer Zeit, das dem schnellen Ruf nach größtmöglicher Aufmerksamkeit geschuldet ist und dem wir es zu verdanken haben, dass sich auf den verschiedensten Ebenen der menschlichen Existenz Scharlatane breit machen, die vorgeben, die Besten zu sein und dabei doch nur mehr Schein als Sein verbreiten. Frau Magas dagegen verkörpert für mich auf wohltuende Art und Weise einen Typus Mensch, dem jegliche Oberflächlichkeit oder Eitelkeit fremd zu sein scheint. Diese Grundvoraussetzung für seriöses Nach-Forschen gestattet es ihr, sich den Dingen unvoreingenommen und sachlich aufmerksam zu nähern. Wer Frau Magas bei ihren Führungen erlebt oder ihre Bücher gelesen hat, wird feststellen, dass sie sich genau durch diese unspektakuläre, aber sehr liebevolle Art den Bonus einer vertrauenswürdigen Sachkennerin und fürsorglichen Bewahrerin erarbeitet hat, den ihr niemand streitig machen kann. Es war jedenfalls erstaunlich, zu beobachten, wie bei Wind und Regen die Gemeinde der mit ihr über die Insel wandernden Zuhörer weder zahlenmäßig abnahm noch Ermüdungserscheinungen erkennen ließ. Die Interessenten kamen aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen und Gesellschaftsschichten, aber Frau Magas verstand es, alle mit ihren Ausführungen zu interessieren und zu fesseln. Das war ein schönes Erlebnis, das man sich bei manchen hochdotierten Veranstaltungen berühmter Künstler, Wissenschaftler oder Politiker des öfteren wünschen würde.

Die Bücher von Frau Magas sind für mich als kunst- und geschichtsinteressierten Leser ein steter Quell von wissenswerten Informationen. Gerade ihre Schriften über die schon so weit zurückliegende DDR-Vergangenheit – sind 25 Jahre wirklich eine so enorme Zeitspanne, dass vieles von damals nicht nur (oft glücklicherweise) überholt, sondern auch der Vergessenheit anheim gefallen ist?

Anscheinend… – gerade diese Ausführungen aus dem Lebensalltag sind es, die in ihrer Art vielleicht keine Berge versetzen oder Welten neu entstehen lassen können, die aber in der Summe ihrer zahlreichen Details ein so farbiges Puzzle ergeben, dass man meinen könnte, in eine Zeitmaschine geraten und wieder in einer Welt zu sein, der man vor Jahren sehr schnell und unter hektischen Anpassungszwängen den Rücken gekehrt hat. Für diese Gelegenheit zur Besinnung möchte ich Marion Magas sehr herzlich danken.

Ich wünsche Frau Magas weiterhin eine treue Gemeinde an Lesern und Zuhörern und würde mich freuen, wenn ihre nicht zu unterschätzende Arbeit einmal von einer Seite gewürdigt würde, der es möglich ist, viele Interessenten zu erreichen.

Mit besten Grüßen!

Gerald Fauth

Professor für Klavier und Kammermusik

Hochschule für Musik und Theater

Märkische Online-Zeitung

6. August 2014

Ostseeinsel Hiddensee als Rückzugsort in der DDR

Martina Rathke / (dpa)

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Berliner Zeitung

3. Juli 2014

Ostseeinsel Hiddensee als Rückzugsort der DDR

(dpa)

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Ostsee-Zeitung Rügen

7. Juli 2014

Mikrokosmos Hiddensee. Auf den Spuren der DDR-Geschichte

Martina Rathke

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„111 Gründe nach Mecklenburg Vorpommern zu reisen“

| 2013

Weil bei den Inselführungen hochgeistiges mit hochprozentigem abgerundet wird

Jörg Mehrwald

Wer das Wissen über die Insel der Künstler und Lebenskünstler auf unterhaltsame Art mit hohem Grad an Effizienz inhalieren möchte, nimmt an den geführten Themenwanderungen der beiden Inselführerinnen Marion Magas und Ute Fritsch teil. Beide Frauen gehören fast schon zum „Inventar“ Hiddensees – in jedem Falle jedoch sind sie sprudelnder Quell zu den Themen Heimat-, Kunst- und Kulturgeschichte. Beide sind sehr aktive Autorinnen und Verlegerinnen und beide haben sich mit Haut und Haar ihrem Lieblingsmetier verschrieben, wie wir im folgenden zeigen möchten.

Die Germanistin und Theaterwissenschaftlerin Marion Magas lebt seit 1975 auf Hiddensee (hiddensee-kultur.de). Sie verlebte Kindheit und Jugend in einem Häuschen in der Dünenheide zwischen Vitte und Neuendorf und sog Natur pur quasi mit allen Poren auf. Ihre Freunde und Bekannten von damals und heute kamen aus einem Lebensbereich, mit dem ein Hiddenseegast in seiner knappen Urlausphase nicht so ohne weiteres in Berührung kam. Aus diesem intensiven Erleben heraus resultieren nicht nur ihre Bücher zur DDR-Geschichte auf der etwas anderen Ostseeinsel, sondern auch eine ihrer thematischen Führungen zur Kulturgeschichte Hiddensees. Zahlreiche Geschichten hat sie selbst erlebt und zusammengetragen. Viele Einzelschicksale aus den 1970er bis 1990er Jahren schildert sie auf ihren Führungen. Zum Beispiel auf der „Wanderung zur Hiddenseer DDR-Geschichte“ durch die Orte Vitte und Kloster. Themen sind dabei u.a. Saisonarbeit auf Hiddensee (FDGB, Konsum, HO, Gaststätten und Hotels), das Badeleben, Flucht über die Ostsee, Lebenskunst und Aussteigertum, Künstlerszene, wobei Schriftsteller, Tänzer, Musiker und Maler wie Christoph Hein, Gret Palucca, Günter Kunert, Feeling B, Volker Braun, Ilse Ebel, Hanns Cibulka, Torsten Schlüter, Willi Berger und Eng Seng Thay eine Rolle spielen.

Zu ihrem Repertoire gehört eine Wanderung durch die nördliche Insellandschaft. Sie folgt den „Spuren der ‚Malweiber‛ – des ‚Hiddenseer Künstlerinnenbundes’“ (Blaue Scheune) und verweilt an Malplätzen der Künstlerinnen wie Elisabeth Büchsel, Clara Arnheim, Käthe Loewenthal, Katharina Bamberg, Julie Wolfthorn u. a. Es geht um das Verhältnis der Frauen zu den Insulanern, um ihre Beziehungen zu Künstlern wie Alexander von Ettenburg, Gerhart Hauptmann, Nicolaus Niemeier, Oskar oder Käthe Kruse. Während der Führung „Wanderung auf den Spuren der Wissenschaftler“ sind Geschichten über die Forscher zu hören sowie Bildmaterial ihrer Wirkungsstätten auf Hiddensee zu sehen. Namen wie Albert Einstein, Erich Leick, Robert Rompe, Gustav Hertz und Lebensgeschichten, die über die Wissenschaft hinausgehen, werden hier thematisiert.

Eine „Kulturgeschichtliche Radwanderung durch den Inselsüden“ beginnt am Dorfeingang Neuendorfs. Der kurze Aufenthalt am „Ilsebill-Spielplatz“ führt in die Inselgeschichte ein, bevor zur schmalsten Stelle der Insel weitergeradelt wird. Marion Magas erzählt Geschichten und Sagen um den Hiddenseer Goldschmuck, der im Stralsunder Katharinenkloster zu besichtigen ist, um die frühe Inselbesiedlung und die Rolle der Zisterzienser auf der Insel, die Gellenkirche und das Fischerleben von damals und heute. Bei einem „Kulturgeschichtlichen Spaziergang durch die Dünenheide zum Weststrand“ beschäftigt sich die Inselchronistin mit Themen wie „Heidelandschaft und Kunst“. Das ist etwas für Tagträumer und Naturliebhaber. Sie gibt stimmungs- und temperamentvolle Texte über Dünen und Meer, über das Leben und Liebesleben der Heidebewohner zum besten und spricht von versteckten Liebesnestern und unvergessenen Strandpartys. Zum Abschluss lädt sie ihre Gäste zu einem selbstgemachten Sanddornlikör ein. Das Rauschen des Meeres tut sein Übriges…

Leipziger Volkszeitung

11. November 2013

Hiddensee-Lesung in der Pilgerkirche

Peggy Hamfler

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2011 - 2012

Inselnachrichten

26. Juli 2012

Ein Jahrhundert Inselphotographie

-fb

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Inselnachrichten

Juli 2012

Ein gelungener Abend

Andreas Bier

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Hiddensee Magazin

Sommer 2012

Inselfotografen

Marion Magas

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Hamburger Abendblatt

26. Juli 2012

Malerinnen reif für die Insel

Irene Jung

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Hessische Zeitung

9. Juli 2011

Scheune für Malweiber. Die Insel Hiddensee erinnert sich ihrer Künstlerinnen

Mark-Christian von Busse

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Ostsee-Zeitung

22. Mai 2012

Ein Hiddenseer Jahrhundert

Chris-Marco Herold

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Freie Presse

18. August 2011

Von Sonne und Musen geküsst

Jürgen Grubitzsch

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BR-online

13. August 2011

Weitwinkel nachhören. Vom Leben und Arbeiten auf Hiddensee

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1079 Einwohner, 70 Pferde, verteilt auf nicht einmal eine Handvoll Dörfer: Grieben, Kloster, Neuendorf und Vitte. Autos sind nicht erlaubt. Hier auf der Insel Hiddensee lebt und arbeitet es sich anders als anderswo. Alexa Hennings hat sich auf der Insel umgesehen. Zu hören sind der Bürgermeister, der Inselpastor, die Autorin Marion Magas, der Theatermann Karl Huck u.a.

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n-tv/ Rubrik Reise

Montag, 01. August 2011

Hier glitzert nur das Wasser / Hiddensee ist nicht für jeden

von Andrea Beu

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Schon die Anreise entspannt: Da Hiddensee eine Insel ist und autofrei, kommt man nur per Fähre hin, die zudem langsam vor sich hin tuckert. Endlich angekommen, geht das so weiter: man setzt sich aufs Rad, in die Kutsche oder geht zu Fuß. Große Unterhaltung bekommt man nicht geboten, aber etwas viel Besseres. Die Sonne scheint hier auch mehr als anderswo.
Hiddensee… häufig wird der Name voller Sehnsucht ausgesprochen. Die kleine Insel in der Ostsee, links neben Rügen, kann auch wirklich sehn-süchtig machen. Wer einmal hier war, kommt immer wieder – oder nie mehr. Denn es gibt durchaus Menschen, die Hiddensee als langweilig und unspektakulär empfinden: Sie bietet so gar keinen Badeort-Glamour, es gibt keine Shoppingmeile und auch eine große Diskothek oder andere „Party-Locations“ sucht man vergebens. Man kann nicht mal mit dem Cabrio oder Motorrad über die Insel brausen – denn Hiddensee ist, von ein paar Ausnahmen wie Arzt, Polizei und Handwerkern mal abgesehen, autofrei. Nur Fahrräder, Pferdekutschen oder Fußgänger sind unterwegs.

Was macht die Insel also so besonders? Zum großen Teil genau das – die Abwesenheit von aufgeregtem Urlaubsbetrieb. Natürlich gibt es eine Strandpromenade – hoch oben auf der Düne: auf der einen Seite der erhabene Blick auf Ostsee, auf der anderen Hagebutten- und Sanddornsträucher, dahinter – in einigem Abstand – die Häuser in begehrter Strandlage. Aber der Weg ist holprig, der Asphalt schlägt Blasen und ist besonders an den Übergängen voller Sand, so dass der Radfahrer, der sich sowieso schon um die Fußgänger herumschlängeln muss, zusätzlich ins Schlingern kommt. Kein Boulevard, eher ein Schlender-Weg – dafür mit grandiosem Draufblick auf das Wasser.

Keine Ablenkung vom Wesentlichen

Große Wellness-Oasen sucht man vergebens – die Insel selber ist ja eine. Frei von derlei Ablenkung kann man sich also ganz dem Eigentlichen hier widmen: dem Meer, dem Wind, den unzähligen Vögeln, den blühenden Wiesen, der hügeligen Landschaft oben im Dornbusch oder der Dünenheide zwischen Vitte und Neuendorf. Oder aber natürlich – großer Auftritt: dem Strand! Hiddensee, sehr lang und schmal von Gestalt, hat an seiner Ostseeseite mehr als zehn Kilometer davon. Im Norden, vor Kloster, ist er wegen der nahen Steilküste recht steinig, aber je weiter man nach Süden kommt, schon ab Vitte, ist der Sand weiß, weich und steinfrei – ein Traum.

Wer nicht an den Strand will oder von ihm genug hat, wandert die Steilküste entlang, die Hiddensee im Norden begrenzt. Hier schlägt das Herz eines jeden Hobby-Geologen höher, denn hier hat die Eiszeit ihre deutlichen Spuren hinterlassen, etwa in Form vieler bunter, ausgefallen gemusterter Steine in allen Größen. Auch der eine oder andere „Donnerkeil“ und andere Versteinerungen lassen sich hier finden und Bernsteinsucher kommen ab und zu auf ihre Kosten.

Ein beliebtes Mitbringsel ist der „Hühnergott“, kleine oder größere Feuersteine mit Loch. Zur Herkunft des Namens gibt es mehrere Erklärungen – eine besagt, dass früher Hühnern die Steine ins Nest gelegt wurden, um ihre Legefreudigkeit zu erhöhen. Es heißt auch, die durchlöcherten Steine wurden in den Hühnerstall gehängt, um böse Geister fernzuhalten. An anderer Stelle wird ein Zusammenhang mit Hünen und Hünengräbern hergestellt. Heute werden die kleinen Hühnergötter gern an einem Band um den Hals getragen oder einfach als Glücksbringer in der Tasche.

Hügeliger Dornbusch

Die wohl spektakulärste Landschaft Hiddensees ist der Dornbusch, der hügelige nördliche Teil der Insel, der sich auf über 70 Meter erhebt. Hoch oben auf dem „Schluckswiek“ thront das Wahrzeichen der Insel, der 28 Meter hohe Leuchturm. Wer die 102 Treppen nicht scheut, kann ihn besteigen und wird für die Mühe reichlich belohnt – mit einem wahrlich atemberaubenden Blick über die ganze Insel, über Dornbusch und Bessin.

Bei guter Sicht erkennt man im Süden die beeindruckende Sillhouette von Stralsund mit den riesigen Kirchen, der Volkswerft und der im Jahr 2007 fertiggestellten schönen Rügenbrücke. In nördlicher Richtung, etwa 52 Kilometer entfernt, liegt die dänische Insel Møn. Auch ihre bis zu 130 Meter hohen weißen Kreideklippen kann man bei klarem Himmel sehen – zu DDR-Zeiten ein Blick voller Sehnsucht in den fast unerreichbaren Westen und auch Ziel von Fluchtversuchen, ob mit Surfbrett oder Luftmatratze oder ganz einfach schwimmend. Eine andere Besonderheit Hiddensees: die Dünenheide, die letzte große Küstenheide an der deutschen Ostsee. Sie liegt in der Südhälfte der Insel, zwischen Vitte und Neuendorf und entfaltet einen ganz besonderen Reiz: große Sanddünen, mit Heidekraut und knorrigen Kiefern bewachsen – und wenn man zur richtigen Jahreszeit kommt, kann man sich an vielen Stellen mit Heidel- und Brombeeren sattessen.

Kultur gibts auch

Wer aber Abwechslung von der reinen Natur sucht, findet sie auch hier – allerdings eher in Form von Kleinkunst oder gutbürgerlich-bildungsbürgerlichen Veranstaltungen. Da gibt es etwa das Gerhart-Hauptmann-Haus im nördlich gelegenen Kloster. Das Haus, in dem der berühmte Dichter einige Jahre lebte, kann man besichtigen, zudem werden Veranstaltungen wie etwa Klavierkonzerte oder Stummfilmabende angeboten. Ein kleines Sommertheater steht hier auch: Die Seebühne in Vitte zeigt beispielsweise Goethes „Faust“ mit Marionetten oder eine „szenische Collage“ über das Leben der Stummfilmdiva Asta Nielsen.

Auch die Dänin, die einmal schrieb „Nirgends ist man so jung, so froh und so frei wie auf dieser schönen Insel“, besaß auf Hiddensee ein Haus, das sie „Karusel“ nannte (dänisch für Karussell), da das Haus eine etwas rundliche Form hat. Der Dichter Joachim Ringelnatz war hier oft zu Gast (wovon u.a. auf der Insel als Postkarte erhältliche originelle Fotos zeugen). Es kann seit einiger Zeit im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Die Lage und die Architektur des Hauses sind außergewöhnlich und machen neidisch, auch das Innere ist interessant, aber – wie das gesamte Haus – dringend renovierungsbedürftig.

Viele berühmte Liebhaber

Auch andere berühmte Persönlichkeiten – Dichter, Maler, Wissenschaftler und andere – wußten die Schönheit und Besonderheit Hiddensees zu schätzen und hielten sich hier, oft mehrmals oder sogar dauerhaft, auf. Einige sind gar auf dem Inselfriedhof in Kloster neben der Kirche begraben, so etwa der Opernregisseur Walter Felsenstein. Er besaß ein Landhaus am Ortsrand von Kloster.

Einer der berühmtesten Gäste, der die deutlichsten Spuren hinterlassen hat, ist der bereits erwähnte Schriftsteller Gerhart Hauptmann. Er wohnte ab Ende des 19. Jahrhunderts jeden Sommer in einem Gasthof bzw. Pension in Vitte und Kloster, bis er schließlich 1929/30 das Haus „Seedorn“ in Kloster kaufte, um dort eine dauerhafte eigene Bleibe zu haben. Hauptmann ist auf dem Inselfriedhof begraben. Dort findet man auch das Grab der Tänzerin und Tanzpädagogin Gret Palucca – sie kam kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs erstmals nach Hiddensee. Seit den 1960er Jahren besaß sie ein Sommerhaus in Vitte. Sie wurde 1993 auf dem Inselfriedhof beerdigt.

Auch Albert Einstein war seit 1919 mehrmals auf Hiddensee – er besuchte dabei auch die Vogelwarte der Universität Greifswald in Kloster, worauf sogar mit einer Gedenkplatte hingewiesen wird: „Hier weilte Albert Einstein mehrfach während seiner Besuche auf Hiddensee.“ Und Hans Fallada schrieb 1933 in Neuendorf im Gasthaus Freese (später „Hotel am Meer“, derzeit leerstehend) seinen berühmten Roman „Kleiner Mann, was nun?“

Lassen Sie sich führen

Wer mehr erfahren will: Führungen zu Berühmtheiten auf der Insel und zu anderen Hiddensee-Themen bietet unter anderem Marion Magas an. Da gibt es die „Wanderung auf den Spuren der Wissenschaftler“ oder „Auf den Spuren der Malweiber“, aber auch einen „Spaziergang durch die Hiddenseer DDR-Geschichte“, ebenso eher landschaftlich bezogene Wanderungen wie die „Entdeckungsreise durch die Inselgeschichte“ oder den „Heidespaziergang im Dämmerlicht“ – hierbei geht es um das Thema „Heidelandschaft und Kunst“. Zum Abschluss gibt es immer eine kleine, heitere Geschichte und einen selbst gemachten Sanddornlikör. Marion Magas kennt sich gut aus auf der Insel – sie kam als Kind hierher, ist hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ihre Liebe zur Insel drückt sich auch in den Büchern aus, die sie zu Hiddensee herausgegeben hat, so zum Beispiel „Hiddensee – Versteckte Insel im verschwundenen Land“ – darin finden sich „DDR-Zeitzeugnisse von Inselfreunden und Lebenskünstlern“. Im Band „Wie sich die Malweiber die Ostseeküste eroberten“ werden, wie in der oben erwähnten Führung, Künstlerinnen des Hiddenseer Künstlerinnenbundes vorgestellt. Wer also für den Urlaub keine Party-Insel sucht, keine Einkaufsmeile braucht und mal keine Autos sehen, hören und riechen will, der ist hier genau richtig. Und Sonnenanbeter auch, denn auf Hiddensee scheint überdurchschnittlich häufig die Sonne – im Jahr 2008 war der Dornbusch laut Wetterstatistik mit 2168 Stunden sogar der sonnigste Ort in ganz Deutschland.

Informationen

  • Insel Information Hiddensee, Norderende 162, 18565 Vitte; Tel. 038300/642-0
  • Nationalparkhaus Hiddensee, Norderende 2, 18565 Vitte; Tel.: 038300/68041, Fax: 038300/68043; Öffnungszeiten: April-Oktober täglich 10-16 Uhr, November-März täglich 10-15 Uhr
  • Gerhart-Hauptmann-Haus, Kirchweg 13, 18565 Kloster; Tel.: 038300/397, Fax: 038300/60565; Öffnungszeiten: Mai-Oktober Montag-Samstag 10.00-17.00 Uhr, Sonntag / 13.00-17.00 Uhr
  • Führungen und Bücher von Marion Magas:
    www.hiddenseekultur.de

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Berliner Rundfunk

7. Januar 2011

Reisezeit

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2009 - 2010

Berliner Zeitung

25./26. September 2010

Die kleine Freiheit

Joachim Wille

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WDR-Interview

Juli 2010

Redezeit – neugierig sein reicht

mit Marion Magas

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WDR-Online

23. März 2010

Von Wismar nach Hiddensee

Eine 30 Minuten lange Reise-Reportage mit Marion Magas

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Beim WDR online (Nicht mehr Aktuell!)

DDR-Geschichten auf Hiddensee

28.04.2010

Anke M. Schmidt

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Schon zu DDR-Zeiten war das Eiland ein begehrter Urlaubsort. Aber vor allem war es Magnet für namhafte Künstler und für Lebenskünstler, die „Aussteiger“. Hiddensee war in der DDR der Ort, an dem sich die unglaublichsten Lebensgeschichten kreuzten.

In ihrem Buch HIDDENSEE – VERSTECKTE INSEL IM VERSCHWUNDENEN LAND versammelt die Herausgeberin und Autorin Marion Magas etliche dieser Lebensgeschichten. In Portraits stellt sie Künstler und Lebenskünstler vor. Und sie lässt die Menschen selbst zu Wort kommen. Diese Erinnerungen von Inselliebhabern ergeben zusammen mit dem Fotomaterial, zum Teil aus privaten Archiven, ein ganz neues Bild von Hiddensee.

Einige der Episoden erzählen ganze Familiengeschichten, die mit dem „Söten Länneken“ verknüpft sind. Es gibt Liebeserklärungen an die einmalige Landschaft. Manchmal an deren Bewohner. Das Spektrum reicht weit. Da sind spannende Erinnerungen aus den 50igern bis in die späten 80iger Jahre. Man kann von einer Hippie-Bewegung auf Hiddensee lesen oder die DDR-Filmgeschichte mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. NICHT NUR LÜTT MATTEN UND DIE WEIßE MUSCHEL wurde auf der Insel gedreht, eine Folge der traditionsreichen Serie POLIZEIRUF spielt auf Hiddensee. Bildgeschichten rahmen einen Zeitbogen ein: der 1. Mai auf der Insel wurde auf vielerlei Arten begangen: demonstrierend oder im Neptungewand am Strand. Manch gebrochene Biographie wurde literarisch verarbeitet, so etwa in Christoph Heins TANGOSPIELER oder Günter Kunerts AM RANDE DER WELT: EINE INSEL.

Die vielen Geschichten von Barfußtanzen im „Dornbusch“, von Übernachten in Ställen, von FDGB-Urlaub, von Freundschaften, von Unbeschwertheit ebenso wie von Inselverweisen, von Verlust und von trotzdem weiterleben, machen dieses Buch zu einem einmaligen Zeugnis einer noch jungen Vergangenheit.

HIDDENSEE – VERSTECKTE INSEL IM VERSCHWUNDENEN LAND ist die veränderte und erweiterte Auflage des 2006 erschienenen und seit 2008 vergriffenen Bandes. Der Unterschied zur ersten Auflage: Bis auf wenige Grafiken ist das Bildmaterial vollständig ausgetauscht und erweitert worden. Momente des 1. Mai 1976 und des Katastrophenwinters 1978/1979 werden als Bildgeschichten gezeigt. Sieben neue Geschichten sind zu lesen. Zu bestellen über rund ums wort/ Marion Magas: 0160/ 328 74 84 oder mmagas@snafu.de

Frankfurter Rundschau

Montag, 17.05. 2010

Hippies auf Hiddensee | Auf die kleine Freiheit

Von Joachim Wille
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Sie waren Gegner des DDR-Regimes oder einfach nur Lebenskünstler. Auf Hiddensee wagten sie eine Republikflucht auf Zeit – selbst die Stasi ließ sie gewähren. Geschichte einer Insel und der auf ihr Gestrandeten.

„Der Weg wurde sandig, als sie von der Hauptstraße, an der Bäckerei Kasten vorbei, in Richtung Norden abbogen. Urlauber kamen ihnen entgegen, gebräunt und aus der Zeit gefallen.

Frauen in wallenden Batikkleidern, viel Holzschmuck, Armreifen aus farbigen Lederriemchen, Sandalen mit Glasperlenschnüren; pfeifenrauchende Männer mit Künstlermähnen und Jesus-Look, seltener kurzgeschorenem Haar und Proletarierjoppen à la Brecht.“ Uwe Tellkamp über das Hiddensee der 80er Jahre in seinem Roman „Der Turm“

Links rollt die Ostsee, nagt am feinen Sandstrand. Rechts die Dünen, hinter denen Vitte liegt, der Hauptort der Ostseeinsel Hiddensee. Marion Magas schiebt ihr Fahrrad auf dem asphaltierten Strandweg entlang. Es ist ihre normale Tour, auf der sie die Besucher mitnimmt. Die 41-Jährige erzählt den Feriengästen über die DDR-Zeit hier. Sie zeigt aufs Meer. „Patrouillenboote fuhren immer die Küste ab“, sagt sie, „und Luftmatratzen waren nicht erlaubt – im Wasser.“

Das reicht. Ein Urlauber, der auf einer Bank sitzt, hat den letzten Satz halb aufgeschnappt. Er regt sich auf. Ruft aus: „Stimmt doch gar nicht!“ Der Mann, so um die 60 Jahre alt, echauffiert sich weiter, steht auf, und ruft im Weggehen, immer noch empört,ein paar Sätze über die Schulter. „Waren Sie denn damals überhaupt in der DDR?“

Luftmatratzen habe es hier am Strand durchaus gegeben. Und überhaupt. Immer die Leute, die alles schlechtmachen, was damals war. Diskutieren will er darüber nicht. Abgang im Zorn.

Marion Magas, blond, zierlich, aber zäh, eine Insulanerin eben, kennt diese Ausraster. Ab und zu kommt so was auch heute noch vor. Von wegen: War ja nicht alles schlecht damals.

Und stimmt ja auch: Luftmatratzen gab es schon, sagt Magas. Aber die Vorschrift war: Man durfte sie nur am Strand benutzen, nicht als Schwimmhilfe im Wasser. Die DDR-Gewaltigen fürchteten, Urlauber könnten von hier aus über die Ostsee paddeln, Republikflucht begehen.

Die dänische Insel Mön liegt nur 50 Kilometer entfernt, bei klarer Sicht kann man sie sehen, vom Hochland im Norden der Insel aus und natürlich von dem berühmten Leuchtturm aus. Das war der Grund für das Verbot.

Was Mann, Einstein und Freud gemeinsam haben

Marion Magas ist die Inselchronistin. Hiddensee, ein langgestrecktes Eiland westlich von Rügen, gilt als „Capri des Nordens“, heißt „Dat söte Länneken“, zu Hochdeutsch: Das süße Ländchen, und ist berühmt, seit eine illustre Reihe von Künstlern und anderen Berühmtheiten in den 1920er Jahren und später hier Urlaub machten und so den Ruf der Insel begründeten.

Magas hat die Namen parat wie keine andere. Joachim Ringelnatz, Albert Einstein und Billy Wilder, Sigmund Freud und Asta Nielsen, auch Gerhart Hauptmann und Thomas Mann. Sie alle tankten Sommer auf der Insel, fernab vom wilden Leben der „Goldenen Zwanziger“, hier, wo der Mensch heute wie damals die Langsamkeit entdeckt.

Geschichte und Geschichten verbindet Magas. Etwa: Wie Gerhart Hauptmann, der auf Hiddensee sein Ferienhaus hatte, nach einem Besuch Manns in dessen „Zauberberg“-Roman dann in den skurrilen Minheer Pepperkorn mutierte. Wo Einstein wohnte und geigte.

Wie der besoffene Ringelnatz sich in der kalten Ostsee Inspiration holte. Doch die 40 Jahre, in denen Hiddensee DDR-sozialistisch war, findet sie mindestens genauso interessant, genauso schillernd, genauso wichtig. Sie seien es auf jeden Fall wert, nicht dem Vergessen anheimzufallen, meint sie. Zu Recht.

Die umzäunte DDR, so hat es Magas in ihrem jüngst veröffentlichten Inselbuch beschrieben, hütete mit Hiddensee ein eigenartiges „Prachtstück“ in der wilden Ostsee-Natur – gleichzeitig als Teil des Grenzgebiets streng überwacht, aber auch Nische für Andersdenkende, Aussteiger, Lebenskünstler.

Flucht mit Hindernissen

Das Hiddensee der 70er und 80er Jahre sei fast „exterritorial“, zumindest freier als der Rest der Republik gewesen, ein geduldetes, wenngleich überwachtes „Rückzugsgebiet vor ideologischer Bevormundung“, schreibt die Chronistin.

Echten Massentourismus, wie er sich auf Rügen und Usedom auch zu DDR-Zeiten bereits entwickelte, gab es auf dem kaum erschlossenen Hiddensee nicht – genauso wenig wie heute. Pferdekutschen, Fahrräder und Handwagen waren die einzigen Transportmittel. Auch daran hat sich nichts geändert.

Die Unterkünfte waren meist spartanisch eingerichtet, allenfalls mit Waschbecken ausgestattet, selten gab es eine Dusche auf dem Gang. Das ist nun anders, doch es gibt kaum Bausünden und keine Schickimicki-Kultur à la Sylt. Der „Porschefaktor“ ist, wie der Modemacher und Hiddensee-Fan Wolfgang Joop formulierte, noch immer „gleich null“. Leute, die diese „Romantik der Einfachheit“, wie Marion Magas es nennt, anzog und anzieht, waren und sind ohnehin von einer besonderen Sorte.

Zu DDR-Zeiten waren Urlaube auf der kleinen Insel noch begehrter als heute. Ferien an der Ostsee – das sei für viele DDR-Bürger ja ohnehin die „Flucht aus einem engen, überwachten Alltag“ gewesen.
Der Bestseller-Autor Uwe Tellkamp, auch ein Fan der Insel, beschreibt das anhand einer fiktiven Hiddensee-Fahrt seiner Dresdner Protagonisten Christian und Judith in dem Roman „Der Turm“.

Allerdings war es auch in der Realität eine Flucht mit Hindernissen. Auf Hiddensee dominierte die organisierte, zugeteilte Sommerfrische in Unterkünften, die von Gewerkschaften oder Betrieben organisiert wurde. Viel seltener, aber durchaus möglich waren „Individualreisen“. Wer verwandtschaftliche oder sonstige Verbindungen hatte, konnte auch in Privatunterkünften unterkommen.

Avantgardistisches Völkchen

Auf Hiddensee sammelte sich so ein irgendwie aus der Zeit gefallenes, avantgardistisches Völkchen. Arrivierte Künstler waren darunter. Und subversive. Zur ersten Kategorie gehörten die Schauspieler Manfred Krug und Kurt Böwe oder die Schriftsteller Günter Kunert und Christoph Hein. Die Sängerin und Schauspielerin Nina Hagen allerdings, die Hiddensee in ihrem Song „Du hast den Farbfilm vergessen“ verewigte, war nie hier; das Lied hatte ihr Keyboarder Michael Heubach geschrieben.

Die DDR-Punkband „Feeling B“ aus Berlin, sie gehörte zur zweiten Kategorie, trat im Sommer des Öfteren auf der Insel auf. Ihr Leadsänger Aljoscha Rompe kannte Hiddensee gut, weil sein Stiefvater, der bekannte Kernphysiker Robert Rompe – er war in der Sowjetunion am Bau der Atombombe beteiligt gewesen – hier ein Ferienhaus besaß.

Feeling B (Titel: „ Langeweile“, „Gipfel“, „Dufte“) veranstaltete legendäre Konzerte am Strand des Hiddensee-Ortes Kloster, auf dessen Friedhof der DDR-Staatsdichter Gerhart Hauptmann beerdigt ist. Das Schlagzeug und die anderen Instrumente schafften Rompe und Co. mit Handwagen über die – auch heute noch unbefestigten, sandigen – Ortsstraßen heran, der Strom für die E-Gitarre kam aus einer Autobatterie.

Magas erinnert sich gut an die Zeit. Sie war 1975, im Alter von sechs Jahren, auf die Insel gekommen; ihre Mutter hatte dort in Vitte eine Stelle als Lehrerin angetreten. Ihre Freunde fand sie in den 80er Jahren meist unter den Aushilfskräften, die die Saisonbetriebe, die Heime, Hotels und Restaurants, brauchten, zum Beispiel Kellner, Bufettiers, Wirtschaftshelfer, Rettungsschwimmer. Es waren oft Aussteiger, die mit dem System kollidiert waren, verhinderte, da nicht zugelassene Studenten, auch Künstler und Naturschützer.

In den Lebensläufen der Saisonarbeiter fanden sich nicht selten Disziplinarmaßnahmen, abgebrochene Karrieren – „einmal sogar der Weg vom Universitätsprofessor zum Tellerwäscher“, sagt Magas. Ein intensives intellektuelles Klima sei es damals gewesen, erzählt die Chronistin – sozusagen im blinden Fleck der Stasi, wahrscheinlich aber von ihr bewusst geduldet.

Für den DDR-Überwachungsstaat war es wohl ein kalkulierbares Risiko, „subversive Elemente“ auf einer Insel unter Kontrolle zu haben und ihnen gewisse Freiheiten zu gewähren. Das nahm etwas Druck aus dem Kessel.

Die Geschichte von Lutz Hofmann steht für viele Lebensgeschichten von damals. In der Autostadt Zwickau wächst er auf, macht die Schule, will Elektriker werden – alles läuft nach Plan. Genau das ist es, was ihn irgendwann einengt, woraus er ausbrechen will. Ein Regimegegner ist er nicht, aber er nimmt sozusagen Urlaub vom Arbeiter- und Bauernstaat. Zwei Jahre lang arbeitet er auf Hiddensee, als Hausmeister, als Kellner. Danach steht für ihn fest: Er will zum Theater. Heute ist er in Zwickau Bühnenbildner – und noch immer mit Marion Magas gut befreundet.

Auch sie arbeitete als Aushilfe in Gaststätten. „Unsere Freizeit verbrachten wir beim Holzfeuer, beim Picknick am Strand, bei Wanderungen durch das Dornbusch-Gelände am Leuchtturm“, erinnert sie sich. Meist war bulgarischer Rotwein dabei, Marke „Stierblut“. Oder eine Flasche Korn. „Und oft gab es Gespräche über Literatur. Denn es wurde viel gelesen und über Bücher geredet“, sagt sie, „in dieser abgeschotteten kleinen Welt.“

Magas selbst hatte in Berlin studieren wollen, es wurde ihr untersagt – wegen „politischer Unzuverlässigkeit“. Erst nach der Wende konnte sie an die Universität. Danach ging sie zurück nach Hiddensee.

Einer, der schon in den 70er Jahren als Sommer-Aushilfe auf die Insel kam und dort hängen blieb, ist Magas alter Freund Hans-Georg Romanowski, Spitzname „Gurke“. Und Gurke hat es geschafft, den spezifischen Hiddensee-Geist dieser Zeit in die Gegenwart zu retten, äußerlich auf jeden Fall, aber nicht nur. Romanowski, inzwischen langjährige Tresen-Fachkraft in der großen Vitter Gaststätte „Godewind“, nun selber ein Insel-Original, trägt die Haare immer noch lang wie damals, nun grau statt mittelblond, und unter der Weste die bunten hippienostalgischen Hemden.

Eigentlich wollte Romanowski, der aus Thüringen stammt, in den Westen abhauen. Dann hörte er von Hiddensee. Zu DDR-Zeiten habe die Insel ihren ganz besonderen Reiz gehabt. „Wer hierher kam, wollte nicht dazugehören, nicht zum Staat, nicht zur Mehrheit, nicht zum Mief des Durchschnitts“, gab er für Magas’ Hiddensee-Buch zu Protokoll. Das passte für ihn. Hiddensee sei ein Ort gewesen „für das Recht auf diese Faulheit“.

Inzwischen, über 20 Jahre nach der Wende, gebe es nur noch wenige, die dieses Recht für sich reklamierten, sagt der redselige Tresen-Philosoph. Er erinnert sich an 1989, ein Treffen mit anderen Hiddenseern in einer Bar. „Leute, so gemütlich wie in dieser Stunde werden wir nicht mehr zusammensitzen“, habe er gesagt, „ab jetzt werden wir hasten und rennen.“ Und: „So ist es gekommen.“

Über die alten DDR-Hiddensee-Zeiten werde heute bei ihm am Godewind-Tresen gar nicht mehr so oft gesprochen, erzählt Romanowski. „Und wenn, dann meist ganz spät in der Nacht.“ Wenn der harte Kern übrig geblieben ist. Danach, nach der Kneipen-Nachtschicht, fährt Romanowski mit seinem Fahrrad die vier Kilometer rüber nach Kloster, wo er wohnt. Es sei dann „toll, die Insel erwachen zu sehen“. Die Füchse, die Rehe, die Vogelrufe. Nebelschwaden über den Wiesen. „Und meist noch kein einziger Mensch.“

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Dumont Reiseführer / Rügen

Hiddensee, März 2010

DIE MALWEIBER VON HIDDENSEE

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Fast vergessen sind sie, die 16 Frauen vom „Hiddenseer Künstlerinnenbund“, den Henni Lehmann und Clara Arnheim 1922 in Vitte gründeten.

Mit einem Rucksack voller Farben, einer Staffelei und einem Block gingen sie in die Natur. Ein Plätzchen mit einem schönen Blick wurde ausgespäht, ein kleiner Hocker unter einem Sonnenschirm positioniert und der Pinsel oder der Kohlestift gezückt – und gemalt und gezeichnet, was vor die Staffelei kam. Motive gab es viele, wie die weite Küstenlandschaft, das Meer, die Dünen oder die kleinen Fischerkaten. Damals saßen Clara Arnheim, Elisabeth Büchsel, Henni Lehmann und Julie Wolfthorn im luftigen Outfit in der Natur. Das Mieder hatten sie zuhause gelassen, war es doch viel zu eng und zu warm für das Malen im Freien. Elisabeth Büchsel ging sogar in Hosen in die Natur – damals aufsehenerregend. Die Insulaner trauten ihren Augen nicht. Die Kunstwelt kannte solche Malszenen im Freien von dem Postimpressionisten und Südseefan Paul Gauguin oder von dem Impressionisten Vincent van Gogh aus dem fernen Frankreich. Doch die Hiddenseer hatten es nun nicht nur mit irgendwelchen verrückten Künstlern zu tun, sondern auch noch mit Weibern, die sich anstatt sich um Kind und Familie zu kümmern, an den Strand setzten um zu malen. Dabei musste die Ostseeinsel für die Künstlerinnen am Anfang des 20. Jahrhunderts so etwas gewesen sein, wie die Südsee für Gauguin.

Achtung, die Malweiber kommen

Das „söten Lännekens“ war ein genauso begehrtes Ziel wie Ahrenshoop oder Worpswede. Landschaftsmalerei in der Natur war en vogué. Der schnelle Wechsel des Wetters, der Zug der Wolken und der Wandel von Licht und Schatten, faszinierte alle Künstler gleichermaßen. Auch die Inselbewohner und ihre Kinder eigneten sich bestens für Charakterstudien. Noch heute hängen bei manchem Insulaner die Bilder an der Wand, die die Großmutter als kleines Mädchen zeigen – gemalt von einer der Künstlerinnen, die auf Hiddensee unterwegs waren. Die „Malweiber“, wie sie die Männer der Kunstkritik gern abschätzig nannten, gaben sich trotz alldem sehr selbstbewußt. Sie versuchten bereits um 1900 ihre künstlerische Weiterentwicklung voran zu treiben. Auch wenn das mitunter nicht so leicht war und oft von jeweiligem Vermögen der Familie abhing. Eine akademische Ausbildung war Frauen zudem bis 1919 verwehrt. Wer Malerin werden wollte, ging deshalb in eine private Zeichen- und Kunstschule, die oft von einem Künstler geführt wurde.

Hiddenseer Künstlerinnenbund wurde 1922 gegründet

Frauen, die nicht über das nötige Kleingeld verfügten, kam daher das Leben und Arbeiten jenseits der Großstadt, in einer ländlichen Künstlerkolonie entgegen, da der Lebensunterhalt hier nicht so teuer war. Zudem konnten Studien direkt in der Natur betrieben werden. Die allein stehende Malerin Clara Arnheim aus Berlin kam viele Sommer nach Hiddensee. Sie wohnte bei Mühlen- und Bäckermeister Schwartz in Vitte. Schräg gegenüber logierte zur gleichen Zeit die Malerin Henni Lehmann, die aus einer wohlhabenden Familie aus Berlin stammte. Beide gründeten 1922 den „Hiddenseer Künstlerinnenbund“ und unternahmen so einen bewußten Schritt in die Öffentlichkeit. Ihnen schlossen sich zwölf weitere Künstlerinnen an, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts nun schon regelmäßig zum Malen auf die Insel kamen. Mit dabei waren unter anderem auch die Stralsunderin Elisabeth Büchsel (1867-1957) und die in Thorn geborene Julie Wolf (1864-1944), die den Künstlernamen Wolfthorn annahm. Alle Frauen, die diesem „Hiddenseer Künstlerbund“ angehörten, sind in der heutigen Kunstgeschichtsschreibung so gut wie gar nicht vertreten. Viele ihrer Werke sind zudem verschollen, zerstört oder befinden sich in Privatbesitz.

Kunst gegen Naturalien

Doch ein Haus ist heute auch noch ab und an geöffnet. Auch wenn es keine Werke seiner ersten Besitzerin mehr zeigt, erinnert es immer noch an sie: „Die Blaue Scheune“. Sie diente Henni Lehmann als Atelier und wurde regelmäßig als Ausstellungsraum von allen Malweibern genutzt. Und damit auch keiner das Haus übersah, entschied sich die vielseitige Künstlerin dazu, der Kate einen blauen Anstrich zu geben, der bis heute immer wieder erneuert wird. Wer eine Spurensuche aus eigener Faust unternehmen will, findet nicht viel auf der Insel. Im Heimatmuseum in Kloster erinnern ein paar Biographien und Abbildungen an die Hiddenseer Malweiber. Eine von ihnen war Elisabeth Büchsel, die von 1907 bis 1952 regelmäßig im Sommer auf die Insel kam. Die kecke Büchsel, die sich gegen eine Familiengründung entschied, um ihren Weg als Künstlerin gehen zu können, lebte stets in bescheidenen Verhältnissen. Sie wohnte auf Hiddensee mit den Fischerfamilien zusammen und tauschte gerne Naturalien wie Kuchen, Eingemachtes oder Kohlen gegen Kunst, sie nannte diese Werke ihre „Brotbilder“.

Die Künstlerinnen engagierten sich sozial

Als Büchsel ihr Erbe ausbezahlt bekam, entschloß sie sich dazu, einer Familie in Vitte ein Darlehen zu gewähren, damit sie ihr Haus ausbauen konnte. Als Gegenleistung verlangte sie lediglich zwanzig Jahre lang ein mietfreies Zimmer. Selbstverständlich konnte dieses während ihrer Abwesenheit auch vermietet werden. Auch die Gründerin des Künstlerinnenbundes Henni Lehmann gab ein Darlehen. Sie war schon immer sozial engagiert und hatte bereits 1913 den Insulanern Geld für den Bau eines Arzthauses geliehen. Die Malweiber hielten Hiddensee demnach nicht nur im Bilde fest oder porträtierten den Alltag, sie wurden im Laufe der Jahre auch ein wichtiger Bestandteil der Inselgemeinschaft. Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde dem Treiben der Malweiber ein Ende gesetzt und der „Hiddenseer Künstlerinnen-bund“ 1933 aufgelöst.

Das Buch und die Führungen „Auf den Spuren der Malweiber“ von Marion Magas ist ein erster Ansatz, sich der Malweiber auf Hiddensee zu erinnern. Es bleibt zu hoffen, daß weitere Forschungsarbeiten und auch Ausstellungen folgen werden und alle Frauen des Hiddenseer Künstlerinnenbundes zumindest einen Eintrag in einschlägige Künstlerlexika erhalten.

Buchtip:

Wie sich die Malweiber die Ostseeküste eroberten: Marion Magas, 2008, 80 Seiten, 107 Abbildungen (historische Photos, Aquarelle, Graphiken) 14,95 €. Infos unter: Hiddensee Bücher. Zu bestellen über: mmagas@snafu.de oder 0160/ 328 74 84

In dem Buch werden 19 Frauen, bekannt als die sogenannten Malweiber, portraitiert. Es werden Wege nach Ahrenshoop und nach Hiddensee aufgezeigt und vergessene Malweiber wieder ins Bewußtsein gerückt. Ein wichtiger Beitrag zur Frauen-Kunstgeschichts-schreibung.

Auf den Wegen der Malweiber: Di 15-17 Uhr vom 27.April- 28.Sept., 6,50 € pro Person, Treffpunkt: Vor dem Inselmuseum in Kloster. Infos>>.

Buchautorin Marion Magas führt auf den Spuren der Künstlerinnen über die Insel. Jeweils einmal die Woche findet die Führung im nördlichen Teil von Hiddensee statt. Neben der Tour auf den Spuren der Künstlerinnen bietet Marion Magas auch andere Wanderungen zu verschiedenen Themen an, darunter auch eine durch Vitte und Kloster mit Geschichten aus der DDR.

Die 15 Frauen des Hiddenseer Künstlerinnenbundes:
Henni Lehmann (1863-1937)
Clara Arnheim (1865-1942)
Elisabeth Büchsel (1867-1957)
Käthe Löwenthal (1878-1942)
Dorothea Stroschein (1883-1967)
Bertha Dörflein-Kahlke (1875-1964)
Elisabeth Andrae (1876-1945)
Helene Lottberg (1901-1986)
Elisabeth Büttner (1853-1934)
Katharina Bamberg (1873-1966)
Gertrud Körner (1866-1931)
Martel Schwichtenberg (1896-1945)
Augusta von Zitzewitz (1880-1960)
Julie Wolfthorn (1864-1944)
Marta Mischel (unbekannt)

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Ostsee Zeitung

Montag, 17. August 2009

Die weltoffene ‚Insulanerin‘

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Grit Schreiter

Thüringer Lokalanzeiger

Montag, 23. Juni 2008

Insel der Seligen – Haarscharf am Rande des Sozialismus

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Marion Magas: HIDDENSEE – INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT. – Hiddensee 2008, 288 Seiten, mehr als 100 Photoerinnerungen; zu bestellen über: rund ums wort, mmagas@snafu.de, Hiddensee Bücher, Preis: 19,80 Euro

Seit Fernseh-Wettermacher Kachelmann regelmäßig von der Insel windundwettert, ist Hiddensee in ganz Deutschland ein Begriff. Unter den Urlaubsorten entlang der mecklenburgischen Ostseeküste ist das „Capri des Nordens“ zu einem der beliebtesten und begehrtesten Ferienziele geworden. Die Insel hat derzeit Konjunktur. Zahlreiche Publikationen erinnern an die große Zeit des „lütt Lännekens“ im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts. Damals genoß Hiddensee als Künstlerkolonie und als mondänes Ferienziel vor allem unter Berliner Dichtern, Malern und Schauspielern einen legendären Ruf.

Über allem Glanz und Gloria wurde ein Kapitel Hiddenseer Inselgeschichte fast vergessen: die stilleren fast vierzig DDR-Jahre. Die kleine Insel hoch im Norden war so weit wie kaum ein anderer Winkel des Arbeiter- und Bauernstaates vom Berliner Machtzentrum entfernt. Sie war deshalb noch keine Insel der Seligen, aber sie wurde doch zu einem Zufluchtsort, vorzugsweise für Individualisten, Nonkonformisten und Nudisten. Von dieser Zeit erzählt die Autorin Marion Magas, die seit 1975 auf der Insel lebt, in ihrem zweiten Hiddenseebuch: HIDDENSEE – INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT.

Sie versammelt darin bemerkenswerte, nicht selten skurrile Lebensgeschichten und Porträts von Künstlern und Lebenskünstlern, die auf der Dornbuschinsel Erholung und Ablenkung vom grauen DDR-Alltag gesucht haben. So auch ein Leipziger Professor, der einige Jahre eine Außenstelle des Parasitologischen Instituts in der Hiddenseer Heide leitete und ausgerechnet am Nacktbadestrand Prüfungen abnahm. Ein anderer ist der aus Kambodscha stammende Maler Eng Seng Thay, der auf der Insel einmal Tempeltänze des Khmer-Volkes vorführte und so auf unaufdringliche Weise an die Tragödie seines Heimatlandes erinnerte. Marion Magas hat eine lockere Feder und weiß von mancher Kuriosität zu berichten.

Verstreut in die Interviews, Berichte und Geschichten sind nicht nur eine Fülle zum größten Teil privater Fotos und Zeichnungen, sondern auch einige poetische Kostbarkeiten. Dazu gehören die hoch- und plattdeutschen Inselgedichte und die lyrischen Notate des Rostocker Schriftstellers Michael Baade, Christian Fritzes Erzählung über eine Reise nach Hiddensee just einen Tag nach dem Fall der Berliner Mauer und ein einfühlsamer Essay von Hans-Dieter Schütt über die Inseltagebücher des DDR-Schriftstellers Hanns Cibulka. Es macht Freude in diesem Hiddensee-Reader zu stöbern und sich festzulesen – für die, die damals dabei gewesen sind, aber gewiß auch für die, die sich – außerhalb der ehemaligen DDR – nur schwer eine Vorstellung davon machen können, wie es sich in der Nischen- und Inselgesellschaft des kleineren Deutschland im Windschatten der großen Worte tatsächlich gelebt hat.

Peter Schütt

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Ostseezeitung Rostock

22. Juni 2009

Sommerredaktion / Inselführungen

Ivo Hilgenfeld

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>> Artikel von Ivo Hilgenfeldt

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2007 -2008

Ostseezeitung – Rügener Ausgabe

Mittwoch, 18. Juni 2008

MARION MAGAS LIEST AUS IHREM HIDDENSEE-BUCH

Dieter Stroh
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Nach ihrem 2006 erschienen Buch HIDDENSEE – VERSTECKTE INSEL IM VERSCHWUNDENEN LAND präsentiert Marion Magas am Freitag um 19.30 Uhr im Henni-Lehmann-Haus von Vitte ihr zweites Werk, die INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT. Bei der Lesung HIDDENSEE- INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT wird die Herausgeberin und Autorin von Mitautor Roland Papendick und der Buchdesignerin Jana Juni unterstützt. Wieder geht es um DDR-Zeitzeugnisse von Inselfreunden und Lebenskünstlern, wie es auf dem Cover heißt. Das liebevoll gestaltete Werk enthält Erinnerungen, Liebesgeschichten, Porträts und Gedichte, umrahmt u.a. von Schwarzweiß-Fotos, Zeichnungen von Armin Münch und Bildern von Arnold Graffi und des Kambodschaners Eng Seng Thay, der das Cover-Bild machte.

Die Geschichten kommen voller Authenzität und Lebenslust rüber. Da erzählt die Berlinerin Ingrid Taegner, wie sie 1967 mit ihrem Sohn ihr erstes Urlaubsquartier im ausgeräumten Hühnerstall des Fuhrmanns Fritz Mann in Grieben bezog und trotz aller Einfachheit glücklich war, hier sechs Wochen am Stück die Ferien verbringen zu dürfen. Amüsant, was sie in über 40 Jahren Hiddensee-Besuch alljährlich erlebte. Auch Insulaner kommen zu Wort, wie der studierte Förster und heutige Maler Willi Berger (85) aus Kloster, der 1955 hier „anlandete“. Zum Schmunzeln die Episode, als er das Pensionsbett, in dem Nobelpreisträger Albert Einstein (1879-1955) während seiner Sommer-Aufenthalte in den zwanziger Jahren geschlafen hat, vom Sperrmüll rettete. Damit nicht genug, er bemalte die Vorderseite des Kopfteils mit einer Insellandschaft und die Rückseite mit einem Porträt Einsteins, ohne über dessen Haupt die wichtigsten Formeln des Physikers zu vergessen.

Global Art Magazine

5. Juni 2008

Wie sich die Malweiber die Ostseeküste eroberten

Peter Schütt
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Marion Magas: WIE SICH DIE MALWEIBER DIE OSTSEEKÜSTE EROBERTEN. – Hiddensee 2008, 80 Seiten, gut bebildert; zu bestellen über: rund ums wort, mmagas@snafu.de, Hiddensee Bücher, Preis: 14,95 Euro

Vor mehr als hundert Jahren, um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert, vollzog sich in der europäischen Kunst ein revolutionärer Wandel. Die traditionellen realistisch geprägten Manieren wurden aufgegeben und durch neue Darstellungsformen, Impressionismus, Expressionismus, Kubismus bis hin zur reinen Abstraktion, ersetzt. An die Stelle der klassischen Lehrmeister traten Vorbilder aus den außereuropäischen Kulturen. Zuwenig ist bisher beachtet worden, daß zu den Gründen für diesen revolutionären Wandel auch der Umstand gehörte, daß sich von 1900 an, zum ersten Mal Frauen in größerer Zahl an der Herstellung der Kunstwerke beteiligten. Die Künstlerinnen hatten zumindest in Deutschland in ihrer Aufbruchphase einen schweren Stand. Bis 1919 durften sie nicht einmal an den Kunstakademien studieren. Der Kunstbetrieb in den großen Städten duldete Frauen nur als Modelle oder als Dekorationsstücke. So boten die Künstlerkolonien, die noch vor der Jahrhundertwende an den norddeutschen Küsten von Worpswede bis Nidden gegründet wurden, den malenden Frauen eine willkommene Ausweichmöglichkeit – abseits von den patriarchalisch dominierten Salons und Akademien in Berlin und den anderen Kunstzentren.
Die auf der Ostseeinsel Hiddensee lebende und arbeitende Autorin Marion Magas hat in ihrem neu erschienenen und reich bebilderten Buch ein wichtiges Kapitel aus diesem Emanzipationsprozess dargestellt. Sie schildert anschaulich, anekdotisch und facettenreich, wie sich die jungen, ebenso engagierten wie emanzipierten Malerinnen auf der Insel Hiddensee, in Ahrenshoop und in anderen kleineren Künstlerkolonien entlang der mecklenburgischen Ostseeküste ihren Platz im kulturellen Leben erkämpft haben. Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen waren trotz der reizvollen Umgebung alles andere als idyllisch. Von ihrer männlichen Konkurrenz, aber auch von der einheimischen Bevölkerung wurden die Künstlerinnen als „Malweiber“ verspottet und waren wegen ihrer Werke, aber auch wegen ihres unkonventionellen Lebenswandels mancherlei Diskriminierung ausgesetzt. Sie gingen und fanden dennoch ihren Weg.
Zumindest bis 1933. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hatten es die unangepassten und nicht selten feministisch eingestellten „Malweiber“ doppelt schwer. Eine ganze Anzahl von ihnen waren Jüdinnen und erhielten als erste Berufs- und Ausstellungsverbot. Clara Arnheim und Henni Lehmann hatten zu Beginn der Zwanzigerjahre unter dem Einfluss von Käthe Kollwitz den „Hiddenseer Künstlerinnenbund“ gegründet, dem zeitweise bis zu zwanzig Malerinnen angehörten. Die Nationalsozialisten verboten den Bund, die Mitglieder gerieten in mehr oder weniger große Bedrängnis. Der Lebensweg der bekanntesten Hiddenseer „Malweiber“ endete oft im Holocaust. Auch Käthe Loewenthal und Julie Wolfthorn wurden in polnische Vernichtungslager deportiert. Das zeichnerische, malerische und grafische Werk Julie Wolfthorn war bisher nahezu unbekannt und unerforscht, aber den Forschungen vom Freundeskreis Julie Wolfthorns und von Marion Magas ist es zu verdanken, dass ihr kunstgeschichtlicher Rang endlich erkannt wird.
Nicht alle Malweiber-Biografien endeten tragisch. Die bis heute wohl populärste Hiddensee-Malerin, Elisabeth Büchsel, erreichte ein Alter von 90 Jahren und lieferte in ihren Inselbildern eine malerische Chronik des alltäglichen Lebens von der Kaiserzeit bis in die Anfänge der DDR. Auch Hedwig Woermann, Tochter eines bekannten Hamburger Reeders und Mitbegründerin der Worpsweder Künstlerkolonie, verbrachte später viele Jahre ihres langen und produktiven Lebens in ihrem Atelierhaus in Ahrenshoop. Es ist das Verdienst von Marion Magas, in nicht weniger als 19 Einzelportraits ein lebendiges und bewegendes Bild jenes künstlerischen Aufbruchs vermittelt zu haben, der untrennbar mit den Aktivitäten und Ambitionen der rebellischen „Malweiber“ von der Ostseeküste verbunden ist.

Berliner Zeitung

Montag, 5. Mai 2008

HIDDENSEE – ERINNERUNGEN AN DEN URLAUB IM HÜHNERSTALL

Mathias Raabe
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Ein Urlaub auf Hiddensee ist heute kein Problem mehr. Vorausgesetzt, man hat das nötige Geld, um sich auf der Ostsee-Insel eine der nicht ganz billigen Ferienwohnungen mieten zu können. In den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren wurden die begehrten und raren Quartiere zum Großteil vom Gewerkschaftsbund vergeben. Und das aus heutiger Sicht zu Spottpreisen von beispielsweise 130 Mark für zwei Wochen. Wer keinen Urlaubsplatz bekam und trotzdem nach Hiddensee wollte, musste erfinderisch sein, sprich sich eine Privatunterkunft suchen. Gewohnt wurde an allen nur möglichen Orten: in klitzekleinen Dachkammern, in Scheunen, Schuppen und sogar in Hühnerställen… Trotzdem zog es alljährlich Hunderte auf das nicht einmal 20 Quadratkilometer große Eiland – hingerissen von der einmaligen Natur. Auf Hiddensee bildete sich so etwas wie eine große Familie: Künstler, Studenten, verkrachte Existenzen, Naturliebhaber, Saisonkräfte, die in den paar Gaststätten in den Inselorten Kloster, Neuendorf und Vitte kellnerten, und die FDGB-Urlauber. Sie feierten zusammen und genossen das Insel-Leben.

Marion Magas hat deren Geschichten gesammelt und las Buch veröffentlicht. In HIDDENSEE – INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT ist über eine Hiddenseer Hippie-Bewegung zu lesen, über Tanzabende im „Dornbusch“, wo es Sekt mit Ananas für 2,50 Mark gab, über endlose Strandtage, Versorgungsmängel und gemeinsame Mahlzeiten am Meer. „Hiddensee war eine Art Nische“, sagt die 39-Jährige, die selbst immer noch regelmäßig auf der Insel ist. Ihre Mutter bekam 1975 eine Stelle als Lehrerin in Vitte. „Heute“, sagt Magas, „ist es auf Hiddensee bürgerlicher geworden.“

Hiddensee: erschienen im Selbstverlag, 19,80 €. Erhältlich über mmagas@snafu.de, Tel.: 0160/ 3287484.

Neues Deutschland

Donnerstag, 24. April 2008

Ein besonderes Hiddensee-Buch: Biographie eines Sehnsuchtsortes

Thomas Irmer
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In diesen Tagen nach einem langen Winter, der noch keiner war, beginnt die Saison der Inselschwärmer. Hiddensee, das ist für die meisten ein fast noch naturbelassenes Inselparadies ohne Autoverkehr zwischen den vier Dörfern, die auch im Treiben der Gegenwart ihre Charakterunterschiede behaupten. Im Süden Neuendorf und nördlich am Bodden Grieben sind in ihrer Randlage sozusagen Idyllen im Paradies geblieben, während die beiden Kernorte Vitte und Kloster in der Hauptsaison, zumindest tagsüber, das Getümmel eines mit Tagestouristen überlaufenen Ostseebades aushalten müssen und wollen.

Aber wenn die letzte Fähre gegen 18.00 Uhr ablegt, fällt alles wieder in eine Beschaulichkeit zurück, in der sich der Urlauber exklusiv wähnen darf. Er fragt dann, in herbeigesehnter Vertraulichkeit, seine Gastgeber aus nach Inseltratsch und Gemeindepolitik, stellt je nach Erfahrungshorizont – manch einer kommt schon seit Jahrzehnten – geradezu historische Vergleiche an. 1974 etwa, war hier noch alles ganz anders, da gab es auf dem Dornbusch diese unglaubliche Kaninchenplage? Oder: Wie kommt ihr denn eigentlich mit dem neuen Inselpolizisten zurecht? Der hat mich doch heute glatt vom Fahrrad runtergeholt, weil ich ein Einkaufsnetz am Lenker hatte. Oder: Wurde hier jetzt vielleicht ein bißchen zu viel neu gebaut?

Was Literatur angeht, ist Hiddensee wahrscheinlich eine der literarischsten Inseln der Welt. Natürlich, Gerhart Hauptmann zuallererst, und mit ihm war die halbe deutsche Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts hier im Urlaub. Eine besondere Art von Hiddensee-Buch hat nun die Germanistin Marion Magas bereits mit einem zweiten Band vorgelegt, im Untertitel „DDR-Zeitzeugnisse von Inselfreunden und Lebenskünstlern“. Magas, 1968 in Pirna geboren und ab 1975 auf Hiddensee aufgewachsen, ist vor allem an jener Biografie der Insel interessiert, die mit weniger prominenten Biografien erzählt wird. Aussteiger als Saisonkräfte und Schlafsack-Romantiker ohne Meldeschein. Eine Insel-Bohème, die keinen Eintritt über den FDGB bekam, aber auf der Insel das DDR-Einerlei zurückließ. ND-Redakteur Hans-Dieter Schütt schreibt über die Ostsee-Essays von Hanns Cibulka und hat in einem langen Lebens-Interview ein Original der Insel, den Tresen-Mann Hans-Georg „Gurke“ Romanowski, porträtiert. Die besten Inselgeschichten „einer anderen Zeit“ gehen über die DDR-Jahre weit hinaus. Die 1940 in Berlin geborene Monica Oldenburg erzählt von ihrem Kinderkriegsrefugium in der Heide. Der Vater an der Front, überleben drei Schwestern mit der Mutter in einem nicht wetterfesten Sommerhaus, eins der Kinder wird sogar da geboren.

Historisch am ausgreifendsten und dabei so persönlich wie dokumentarisch in die Zeiten weisend, gelingt Sabine Reichwein die Geschichte über das Haus ihrer Familie in Vitte – als „Hexenhaus“ bekannt – das von 1930 bis 2007, mit allen Wendungen von widerrechtlichem Besitz, von drei verschiedenen deutschen Systemen erzählt. Solche Darstellungen müssen sich nicht zu Literatur fügen, sie sind es bereits und offenbaren die Stärke von Magas‘ soziologisch-biografischem Antrieb. Nicht jeder kann eine solche Geschichte erzählen, aber auch kleinere sind nicht weniger aussagekräftig über Hiddensee im großen Getriebe. Die Lehrerin Ingrid Taegner, Jahrgang 1936, resümiert die Art ihrer Quartiere, von den sechziger Jahren an, als man privat und ohne Ferienschein noch im Stall mit Aufbettung unterkam, bis zur heutigen Unterkunft nach Hotelstandart.

Hiddensee ist bei aller Wandlung kein schneller oder schnell verfallender Wert. Denn er wird tradiert, vererbt, und dadurch immer wieder aufgefrischt. Selbst an einem verregneten Tag wird man einen Vater, der mit seinem vermodderten Sohn im Strandkorb sitzt, sagen hören: Das ist alles so schön, siehst du, hier kommen wir unbedingt wieder her. Den schönsten Text eines Spätentdeckers steuerte der Schaubühnen-Schauspieler Felix Römer als „Sehnsuchtsbrief eines Wieners“ an eine Freundin in der Alpenhauptstadt bei.

Wahrscheinlich mangelt es nicht an Hiddensee-Kommentaren, soziologischen Analysen und sogar kritischen Aufschwüngen im umstrittenen Ostseereich um Hiddensee. Kreta und kleinere Inseln sind trotzdem nicht mehr das große Ding. Hiddensee ist heute erst recht eine Insel, in der sich das Große im Kleinen findet – das Kleine im Großen als Aufstieg zum Leuchtturm auf den Dornbusch. Man lese nur all diese Texte in diesem Buch!

Marion Magas (Hrsg.): Hiddensee – Inselgeschichten aus einer anderen Zeit, 287 Seiten, 19,80 € (Bestellung: Hiddensee Bücher) Buchpremiere: 25.4., 20 Uhr, Pfefferberg, Berlin Prenzlauer Berg

Ostseezeitung – Stralsunder Ausgabe

Donnerstag, 24. April 2008

Hippie-Geschichten auf Hiddensee gesammelt

Anke M. Schmidt
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Schon zu DDR-Zeiten war das Eiland ein begehrter Urlaubsort. Aber vor allem war es Magnet für namhafte Künstler und für Lebenskünstler, die „Aussteiger“. Hiddensee war in der DDR der Ort, an dem sich die unglaublichsten Lebensgeschichten kreuzten.
In ihrem Buch HIDDENSEE. INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT versammelt die Herausgeberin und Autorin Marion Magas etliche dieser Lebensgeschichten. In Portraits stellt sie Künstler und Lebenskünstler vor. Und sie lässt die Menschen selbst zu Wort kommen. Diese Erinnerungen von Inselliebhabern ergeben zusammen mit dem Fotomaterial, zum Teil aus privaten Archiven, ein ganz neues Bild von Hiddensee.
Einige der Episoden erzählen ganze Familiengeschichten, die mit dem „Söten Länneken“ verknüpft sind. Es gibt Liebeserklärungen an die einmalige Landschaft. Manchmal an deren Bewohner. Das Spektrum reicht weit. Da sind spannende Erinnerungen aus den 50iger und 60iger Jahren. Man kann von einer Hippie-Bewegung auf Hiddensee lesen oder die DDR-Wissenschaftsgeschichte mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Das Parasitologische Institut Leipzig hatte es unter Professor Wolfdietrich Eichler tatsächlich geschafft, zumindest für einige Jahre, eine Außenstelle des Instituts in Strandnähe einzurichten. Es gab damals Gerüchte, der Professor habe Prüfungen am FKK-Strand nackt in der Sonne abgenommen. Und der 1. Mai auf der Insel wurde auf vielerlei Arten begangen: demonstrierend oder im Neptungewand am Strand.
Die vielen Geschichten von Barfußtanzen im „Dornbusch“, von Übernachten in Ställen, von FDGB-Urlaub, von Freundschaften, von Unbeschwertheit ebenso wie von Inselverweisen, von Verlust und von trotzdem weiterleben, machen dieses Buch zu einem einmaligen Zeugnis einer noch jungen Vergangenheit.
HIDDENSEE. INSELGESCHICHTEN AUS EINER ANDEREN ZEIT ist der Nachfolgeband zu HIDDENSEE. VERSTECKTE INSEL IM VERSCHWUNDENEN LAND, der 2006 erschien.

2004 - 2006

Märkische Allgemeine

Oranienburger Ausgabe, 23. Oktober 2006

Die versteckte Insel / Eine Huldigung an Hiddensee

FRITZ HERMANN KÖSER
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KREMMEN. Erst Zucker, dann kochendes Wasser. Beides verrühren. „Jetzt erst kommt der Rum“, sagt der Schiff-Steward streng, bevor er dem Gast besagtes Getränk serviert. Ein echter steifer Grog ist eben eine ernste Sache. Und so können die Passagiere auf der Überfahrt nach Hiddensee noch etwas lernen. Ganz nebenbei.

Hiddensee. Winzige Ostseeinsel. Intellektuellen- und Künstlerrevier. Mit einem zu DDR-Zeiten ganz besonderen Lebensgefühl. Drei Damen boten in der Goldschmiede eine Hommage an die Insel. Schauspielerin Heidi Zengerle, Marion Magas und Mit-Autorin Rita Thimm lasen aus dem Buch „Hiddensee – Versteckte Insel im verschwundenen Land“. Marion Magas, die das Buch herausgegeben hat, will mit den Erinnerungen von Inselfreunden und Lebenskünstlern die Atmosphäre von damals ein wenig konservieren.

Deswegen hat sie unter anderem lange mit Günter Kunert telefoniert. Der stapfte mit Frau und Freunden gerne durch Tang, Sand oder Dünen. Manchmal war auch ein Ölklumpen dabei. Egal, Ost-Berlin war so herrlich weit weg. Anstelle sich den Ärgernissen der Politik auszusetzen, sammelte und schliff der Schriftsteller lieber Bernstein. Im Winter bewunderte er das Eis, das sich über der weißen Boddenlandschaft auftürmte. Heute lebt Kunert mit seiner Frau in der Nähe der Nordsee-Küste. „Dort, wo sich der Himmel so schnell ändert wie auf Hiddensee“, erzählt Marion Magas.

Völlig andere Erinnerungen hat Szenenbildner Lothar Holler. Als Kind verbrachte er seine Ferien im Glower Erholungsheim. Eine willkommene Abwechslung bot ein Ausflug nach Hiddensee. Durchzählen, rauf aufs Schiff. Durchzählen, runter vom Schiff. Durchzählen, ab ins Gerhard-Hauptmann-Haus. Zur Belohnung gab es Muckefuck und hartgekochte Eier.

Ein zu DDR-Zeiten bekannter Schauspieler labte sich lieber an Räucher-Scholle. Der Mann synchronisierte Egon Olsen. Ein kleiner Junge und bekennender Olsen-Fan staunte nicht schlecht, als er die Stimme seines Idols hörte. „Papa, Papa, Herr Olsen.“ In der Schule schrieb er darüber einen Aufsatz. Thema: Das schönste Ferienerlebnis. Er bekam eine Eins.

Nordkurier

23. Juni 2006

Inselkennerin: „Sötes Länneken“ in Essays und Portraits

Dieter Stroh
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Nach einer informativen CD-Rom über die Insel Hiddensee legt die Germanistin und Theaterwissenschaftlerin Marion Magas jetzt ein Buch über das „Söte Länneken“ vor. Die bestens recherchierte Arbeit schildert ein Refugium für Künstler, Maler und Schauspieler, aber auch für Andersdenkende, ob während der Nazi-Diktatur oder in der DDR. Nach dem Abitur arbeitete die Autorin als Kellnerin – damals eine begehrte Tätigkeit, um auf die Insel zu kommen. Das Mittendrin ist in den Essays und Portraits spürbar, ob sie an den Schauspieler Ernst Busch, die Tänzerin Gret Palucca und den Schriftsteller Stefan Heym erinnern oder Holzbildhauer Jo Harbort und Autor Günter Kunert vorstellen. Ein Buch, das selbst den Inselkenner noch verblüffen kann.

Ostsee-Zeitung

16. Mai 2006

Hiddensee: Fluchtburg im DDR-Alltag

A. Küstermann
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Fast ein wenig zu idyllisch kommt das neue Hiddensee-Buch daher. Autorin Marion Magas, seit 1975 Wahlinsulanerin auf Hiddensee, hat das Material zusammengetragen.

Hiddensee. Marion Magas kommt ein kleiner Baustein ihrer Biografie zu Gute: Sie hat einmal gekellnert. Ja, kellnern, überhaupt alles Gastronomische, ist wesentlicher Bestandteil dieser gesammelten Biografien, welche die Autorin in ihrer Betrachtung des abseitigen Hiddenseer Lebens hervorkehrt. Zusammengetragen hat sie Geschichten durch Anfragen an verschiedene Generationen der DDR-Dauer-Sommer-Hiddensee-Besucher. Enstanden ist eine Geschichte der Fluchtburg Hiddensee im DDR-Alltag, geschichtlich und historisch untersetzt mit Daten zu Häusern und Persönlichkeiten.

Was war die beste Möglichkeit, dauerhaft im Sommer den Insel-Aufenthalt zu ermöglichen? Richtig: jenes Kellnern. So löste sich das zweite Problem von selbst: ohne Zimmer keine Insel. Manchmal sollen die subversiven Künstler im „Wiesengrund“ und „Klausner“ gar zu illegalen Zimmergebern geworden sein, wenn sie Freunden ihre Bleibe für die Nacht offerierten. Die nicht unterkamen, versuchten nicht selten, in Nestern am Strand oder dem Wald zu nächtigen, was den mit der Schwalbe nahenden Polizisten (ABV) durchaus auch illegale Urlauber mit Rang und Würden aufgreifen ließ. Denn der Aufenthalt von DDR-Bürgern im Grenzgebiet ohne Quartier war verboten. Ein schönes Beispiel der spießigen Republik, der auf Hiddensee in Marion Magas‘ Buch eine bunte Republik gegenüber gestellt wird.

Zur Ehrenrettung. „Erinnerungen sind, was man daraus machrt“, titelt Werner Buhss über eine Novembernacht in der Lietzenburg. Auch seine Geschichte konzentriert sich neben einem Gespenst aufs Quartiermachen und die kreative Nutzung der Gastronomie als Schreiberling. Gut, dass Reinhard Piechocki in seinem kurzen aber eindringlichen Beitrag zumindest mal das Thema Stasi anhand der Bohley-Brüder erwähnt. Denn so allgegenwärtig, wie sie im Grenzgebiet gewesen sein soll, so abwesend ist sie im -zugegeben- amüsanten Buch. „Innenansichten einer versunkenen DDR-Gastronomie mit Prominentem Service“ könnte es auch heißen.

Die 213 Seiten dürften den Nichtkennern viele prominente Einblicke gewähren, den Kennern jedoch manches Schmunzeln an alte Zeiten entlocken. Erhältlich im Buchhandel unter ISBN 3-00-018-132-6.

Nordkurier

06. Januar 2005

Aufgehorcht: Insel-Zeitreise

Dieter Stroh
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Mit einer bemerkenswerten CD-Rom über die Insel Hiddensee hat sich die Germanistin und Theaterwissenschaftlerin Marion Magas – die von dem Eiland stammt und seit 1988 in Berlin lebt – den lang gehegten Wunsch nach einem umfassenden, vor allem kulturgeschichtlichen Überblick erfüllt. In Essays und Portraits zu Epochen und Künstlern mit entsprechenden Hiddensee-Impressionen geht sie auf eine sehr informative Zeitreise. Im Mittelpunkt stehen fünf Rubriken vonn 1100 über die 1880 entstehende Künstlerkolonie, die Nazi-Diktatur, die DDR-Zeit bis zum Heute. Die Zeit nach 1989 ist der umfangreichste Abschnitt, der auch Künstler, Orte und Veranstaltungen enthält. Dazu gehören Bildergalerien mit Werken verschiedener Künstler. Dank dem Berliner Mediendesigner Ralph G. Schulz wird der Inhalt in einer ansprechenden Form präsentiert.

Marion Magas: Hiddensee. Zu bestellen per Tel. 030 6115725 oder E-Mail an mmagas@snafu.de

Berliner Zeitung

Samstag, 18. Dezember 2004

Hiddensee: Kultur und Kunst auf CD-Rom

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Kultur und Kunst auf Hiddensee werden erstmals auf CD-Rom präsentiert. Neben Geschichten über Gerhart Hauptmann, Asta Nielsen und Joachim Ringelnatz geht es dabei auch um die Malerin Elisabeth Büchsel. Die einzelnen Essays sind aufgelockert mit Insel-Quiz und Puzzle. Die CD-Rom kann man in den Buchhandlungen auf Hiddensee kaufen (19 Euro) oder übers Internet, www.hiddensee-kultur.de, bestellen (22,50 Euro inklusive Versand). (pm.)

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/… (Nicht mehr Aktuell!)

Ostsee-Zeitung

24./25. Juli 2004

Mit Mausklicks durch Hiddensees Geschichte | Kulturell geprägte Zeitreise auf neuer CD-ROM

Von TIMO RICHTER
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Computer und Monitor sind das notwendige Gepäck für eine Reise durch die Kulturgeschichte Hiddensees. Mit Hilfe einer CD-ROM wird die Vergangenheit „lebendig“.

Rügen. Sanfte Klänge begrüßen den Computernutzer, der am Monitor in die kulturelle Vergangenheit der Insel Hiddensee eintauchen will. „Künstlerkolonien in der Vergangenheit und Kulturelles in der Gegenwart“ heißt eine CD-ROM, mit der sich eine ganz besondere Zeitreise über das „Söte Länneken“ unternehmen lässt.

Durch fünf Rubriken, gleichsam als historische Abschnitte gegliedert, kann sich der User klicken. In kurzen Essays breitet sich eine vielfältige Vergangenheit auf kulturellem Gebiet aus. Die Zisterzienser tauchen auf, der berühmte Goldschmuck und natürlich Bernstein. Mit Riesenschritten geht es dann in Richtung 17. und 18. Jahrhundert. Größen wie Gerhart Hauptmann, Asta Nielsen oder Henni Lehmann – sie drückten durch ihre Arbeit der Insel einen Stempel auf – kommen mit diesem Silberling ganz multimedial daher. Eigene Kapitel widmet Autorin M. Magas, selbst Hiddenseerin und jetzt in Berlin tätig, dem kulturellen Stillstand nach der Machtergreifung der Nazis und dem besonderen Leben auf der Insel, die zwar als Sperrgebiet ausgewiesen war, aber doch als Zufluchtsort für Andersdenkende galt.

Die Gegenwart, die umfangreichste Rubrik, bietet schließlich ein Abbild der aktuellen Situation auf der Insel. Museen, Wetterstation, Galerien oder die Palucca-Tanzwoche – so erweist sich der Datenträger auch als eine Art Reiseführer. Warum allerdings das blau, das dem kulturgeschichtlichen Aufriss des „Söten Lännekens“ zwar eine edle Note gibt, so dunkel ausfallen musste, bleibt ein Geheimnis.

Inselnachrichten

April 2004
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Eine CD-Rom, herausgegeben von Marion Magas und Ralph G. Schulz, über Hiddensee als KÜNSTLERKOLONIE IN DER VERGANGENHEIT UND KULTURELLES ZENTRUM IN DER GEGENWART, ist erschienen. Sie bekommen „nicht nur einen multimedialen Bildband auf ihren Bildschirm, sondern auch an die 50 Essays bzw. Artikel und einen aktuellen Kulturführer“ geboten, versprechen die beiden Autoren.